Weizen-Sauerteig selber ansetzen | ein Tutorial

22. September 2019
Weizen-Sauerteig selber ansetzen

Weizen-Sauerteig selber ansetzen ist keine Hexerei. Genau genommen heißt es noch „Anstellgut“ aus dem Du später Deinen Sauerteig machst. Das Ansetzen des eigenen Anstellgut ist der erste Schritt auf Deiner Sauerteigbrot-Reise. Einen Teil dieses Anstellguts benötigst du jeweils, um einen Sauerteig herzustellen. Und diesen wiederum braucht es, um ein Sauerteigbrot zu backen.

Ein bisschen Planung braucht es schon, aber Sauerteig selbst herzustellen ist wirklich einfach. Drei Tage vorher muss der Starter angesetzt werden, dann kannst Du Dein eigenes Brot backen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Sauerteig und dem Anstellgut?

Das werde ich besonders oft gefragt und ich gebe zu am Anfang hat es mich in den Brotbackrezepten auch verwirrt. Also als Anstellgut bezeichnet eine immer am Leben zu haltende Grundmischung an Bakterien und Pilzen (bestehend aus Wasser und Mehl). Von dieser Mischung wird bei Bedarf eine bestimmte Menge abgenommen, mit einer bestimmten Menge an Mehl und Wasser zu einem Sauerteig geführt.

Streng genommen müsste dieser Artikel eigentlich „Anstellgut-Tutorial“ heissen. Das Anstellgut muss regelmässig gefüttert werden, wenn as am Leben bleiben soll. Wenn Du Lust hast Dein ganz eigenes Brot von Grund selbst zu backen, musst du zuerst ein Anstellgut heranzüchten. Ein Sauerteig kann mit verschiedenen Mehlsorten geführt werden. Hier geht es zu meinem Roggen-Sauerteig-Tutorial.

Weizen-Sauerteig selber ansetzen – ein neuer Mitbewohner zieht ein

Wer einmal erfolgreich einen Sauerteig angesetzt und gepflegt hat, hegt ihn oft über Monate oder sogar Jahre. Ich habe meinen sogar schonmal mit in den Urlaub genommen, um ihn regelmässig zu füttern. Keine Angst, der Bursche kann durchaus ein paar Tage allein im Kühlschrank vor sich hin schmollen. Wenn du jedoch für mehrere Wochen auf Reisen gehen möchtest, such Dir einen verantwortungsvollen Babysitter oder schlepp ihn mit. Weizen-Sauerteig ist etwas milder als sein „Roggen-Bruder“ und ein prima pflegeleichter Mitbewohner.

 

Dinge, die Du jetzt gut gebrauchen kannst:

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Weizen Sauerteig ansetzen

Weizen-Sauerteig selber ansetzen – so wird’s gemacht

Tag 1

  • 50 g Weizenvollkornmehl
  • 50 g lauwarmes Wasser

Mehl und Wasser in einer Schüssel gründlich miteinander vermischen. Den Teig in ein Weckglas geben und locker abgedeckt für 24 Stunden warm stellen. Temperaturen zwischen 25 °C und 30 °C sind ideal.

Tag 2

  • 50 g Weizenvollkornmehl
  • 50 g lauwarmes Wasser

Hat der Teig jetzt eine ganz leichte Haut gebildet? Einfach abmachen. Darunter können sich schon die ersten Bläschen entwickelt haben. Sollte der Teig muffig riechen, musst Du leider von vorn beginnen. Ein säuerlicher Geruch ist dagegen prima und gewünscht. In einer Schüssel nun die Zutaten für den zweiten Tag zusammenrühren, dann den Teig vom ersten Tag dazugeben und ordentlich vermischen. Wieder locker abgedeckt für 24 Stunden warm stellen. Temperaturen zwischen 25 °C und 30 °C sind ideal.

Tag 3

  • 50 g Weizenvollkornmehl
  • 50 g lauwarmes Wasser

Der Teig ist mittlerweile wahrscheinlich etwas flüssiger als am Vortag und weist viele Bläschen auf. Vielleicht hat er sich auch schon leicht gehoben…

Nun wieder Mehl und Wasser mit dem Teig des Vortages vermischen. Wenn Dein Teig besonders eifrig ist und sich schon verdoppelt hat (oder vielleicht sogar schon wieder etwas eingefallen ist), dann nimm 50 g vom Teig aus dem Glas und mische es mit jeweils 50 g Mehl und 50 g Wasser. Jetzt wieder für 24 Stunden reifen lassen. Temperaturen zwischen 25 °C und 30 °C sind ideal.

Tag 4

  • 50 g Weizenvollkornmehl
  • 50 g lauwarmes Wasser

Dein Teig kann jetzt schon im wahrsten Sinne über sich hinauswachsen. Nun wieder Mehl und Wasser mit dem Teig des Vortages vermischen. Jetzt wieder für 24 Stunden reifen lassen. Temperaturen zwischen 25 °C und 30 °C sind ideal. Wenn Dein Teig besonders eifrig ist und sich schon nach 12 Stunden verdoppelt hat springst Du direkt zu „Tag 5“.

Tag 5

  • 50 g Weizenvollkornmehl
  • 50 g lauwarmes Wasser

Dein Teig hat das Volumen mindestens verdoppelt!

50 g Anstellgut abnehmen und mit 50 g handwarmem Wasser und 50 g Weizen-Vollkornmehl in ein sauberes Glas geben. Mit dem Löffel vermischen und lose bedeckt 24 Stunden an einen warmen Ort stellen.

Herzlichen Glückwunsch! Jetzt darfst Du Deinen Teig „Anstellgut“ nennen. Er sollte jetzt tüchtig auf Trab gekommen sein und sollte nun luftdicht verschlossen im Kühlschrank gelagert werden. Ich benutze dazu ein Weckglas mit Gummidichtung. Ein grosses Marmeladenglas tut es aber auch. Die niedrigen Temperaturen entschleunigen die Mikroorganismen, die wir gerade so mühsam angefüttert haben.

Weizen-Sauerteig selber ansetzen

Weizen-Sauerteig selber ansetzen

Weizen-Sauerteig alias Anstellgut pflegen

Spätestens nach einer Woche möchte dein Anstellgut gefüttert werden. Dafür nimmst Du:

10 g Anstellgut
50 g lauwarmes Wasser
50 g Roggenmehl (Vollkorn)

Das Anstellgut mit einem Schneebesen im Wasser auflösen und das Mehl gründlich einrühren. Das gefütterte Anstellgut wieder an einem warmen Ort reifen lassen. Wenn er sich etwas wölbt ist er reif zum Backen. Willst Du ihn nur füttern und nicht backen, stellst Du ihn nach ein paar Stunden bei Zimmertemperatur wieder zurück in den Kühlschrank.

Zu Beginn ist Dein Anstellgut noch etwas langsam und das Reifen kann 6 – 16 Stunden dauern. Je öfter Du ihn aufgefrischt hast, desto schneller kommt er in Wallung (je oller, je doller!). Da kann er auch schon nach drei Stunden fertig sein.

Weizen-Sauerteig selber ansetzen – Dos and donts:

  • Bio, Bio, Bio! Wenn Du Dir die Mühe machst Dein eigenes Brot mit eigenem Sauerteig zu backen, nimm ihm nicht die Integrität durch billiges Industriemehle. Gönn ihm ein gutes Biomehl und er wird es Dir ewig danken!
  • Immer sauber bleiben: Damit sich nur die gewünschten Bakterien vermehren ist Sauberkeit oberstes Gebot. Also alle Utensilien, Gläser, Schüsseln und Löffel gut mit heißem Wasser abspülen. Die falschen Bakterien machen aus einem redlichen Sauerteig einen ekligen Gesellen.
  • Vertrau nur der Waage: Wieg die Zutaten immer peinlich genau ab. Auch das Wasser. Der Messbecher mit Milliliterangaben ist nie so genau wie eine digitale Küchenwaage.
  • Starte mit Weizenvollkornmehl: Damit wirst Du milde, leicht säuerliche Brote backen. Wenn Dein Anstellgut erst einmal aktiv ist, kannst Du es ruckizucki mit anderen Mehlen umzüchten.
  • Verschiedene Sauerteigarten pflegen: Sauerteig kann aus Roggen, Weizen- oder Dinkelmehl angesetzt werden. Im Prinzip kannst Du mit einem Sauerteig jedes Mehl bewegen. Weizen- und Dinkelsauerteige sind wesentlich milder im Geschmack. Liegt der Roggenmehlanteil im Brotteig über 50 Prozent, so wird zur Lockerung meist Roggensauerteig verwendet. Dadurch erhält das Brot einen kräftigen, säuerlichen Geschmack. Für reines Weizenbrot verwende ich gerne Livieto di Madre, das ist ein reiner Weizensauerteig. Der ist übrigens auch für Pizzateig ein Knaller und Du kannst ganz auf Hefe verzichten.
  • Sauerteigbrot richtig backen: Wenn Du endlich soweit bist Dein Sauerteigbrot zu backen, heize Deinem Ofen richtig ein. 250 °C schafft jeder Ofen. Den Brotlaib in den sehr heißen Ofen schieben und bei abfallender Hitze backen, das heißt nach zehn Minuten Backzeit die Temperatur um 20 bis 30 Grad senken. Das Brot ist dann fertig, wenn es sich beim Klopfen auf der Rückseite hohl anhört.

 

Weizen-Sauerteig selber ansetzen

Backen mit Weizen-Sauerteig

Wenn alles nach Plan gelaufen ist, hast Du nun einen triebhaften neuen Freund im Kühlschrank. Und er wartet ungeduldig darauf großartige Brotabenteuer mit Dir zu erleben. Wenn es Dir so geht wie mir, wirst Du bald ein selbstgebackenes Brot nicht mehr missen wollen. Ich beherberge ausser meinem Weizensauerteig mittlerweile noch 3 (in Worten drei) verschiedene Sauerteigansätze im Kühlschrank:

  • Da ist „Roggi“, ein rustikaler Roggensauerteig
  • und „Luigi“ ein italienischer Signore der mit Weizenmehl geführt wird und Pizzateige auf ein neues Level hebt
  • und als dritter im Bunde kommt „Marvin“, ein strammer Kerl aus Dinkel und Weizen.

Sauerteig selber ansetzen ist kinderleicht. So backst Du bald die besten Brote bekömmlich und lecker selbst. Einfache Schritt für Schritt Anleitung.

Du kannst Deinen Weizen-Anstellgut im Prinzip für jeden Sauerteig verwenden. Damit Du etwas üben kannst, findest Du hier unten gleich den Link zu meinem Einsteiger-Modell.

Helles Sauerteigbrot

Einfaches Weizen-Sauerteigbrot

Einfaches Weizen-Sauerteigbrot: Die Krume ist locker und großporig und trotzdem herrlich saftig. Das liegt auch daran, dass relativ viel Wasser in den Teig eingearbeitet wird. Das macht den Teig anfänglich etwas fließend und unbequem, aber mit ein paarmal dehnen und falten bekommt man ihn ganz gut gebändigt. Das Ergebnis kann sich jedenfalls schmecken lassen. Klick auf das Bild um zum Rezept zu gelangen.

 

 

 

 

 

Sauerteig selber ansetzen ist kinderleicht. So backst Du bald die besten Brote bekömmlich und lecker selbst. Einfache Schritt für Schritt Anleitung.

No-Knead-Bread mit Sauerteig

Hier siehst Du ein „No knead Bread“ mit Sauerteig in einer Kastenform gebacken. Das Brot hat eine saftige und lockere Krume und bleibt lange frisch. Das Rezept ist einfach nachzubacken und für Brotanfänger bestens geeignet. Klick auf das Bild um zum Rezept zu gelangen.

 

 

 

Noch mehr Brotlust

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So, jetzt aber an die Mehltüten, fertig, los! Ich wünsche Euch viel Spass mit dem neuen Mitbewohner und freue mich über Nachrichten, Anregungen, Kritik und Lob. Lob finde ich am besten!!

Alles Liebe für Euch und immer einen vitalen Sauerteig am Start,

Eure Anne

 

…und für alle, die wie ich bekennende Pinterestopfer sind, gibt es noch etwas zum pinnen 🙂

Weizen Sauerteig ansetzen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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  • Beantworten
    Örzi
    22. September 2019 at 15:46

    Ich habe es auch mal probiert mit dem selbst gemachten Sauerteig. Auf halber Strecke hat mich aber die Ausdauer verlassen. Man muss halt immer beobachten und sich kümmern. Nichts für mich. Aber der Tüten-Sauerteig aus dem Supermarkt ist auch nicht die Erfüllung. Manchmal benutze ich ihn im Brotbackautomat. Früher, wenn man sich mit seinem Bäcker gut verstand, konnte man ein Stück Sauerteig bei ihm kaufen. Hat er meistens auch nicht gern hergegeben, man sollte ja sein Brot kaufen. Heute findet man kaum noch einen Bäcker, nur „Backshops“ mit Einheitsware.
    Schau doch mal in meinen Blog: Trusted Blogs, mein Senf dazu
    https://www.trusted-blogs.com/magazin/blog/dAn2ZE

    • Beantworten
      Anne
      23. September 2019 at 08:09

      Lieber Örzi,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Du hast Recht. Zu Beginn braucht es etwas Geduld bis man einen brauchbaren Sauerteigansatz hat…aber dann braucht er nur aller paar Tage (7-10) „gefüttert“ zu werden. Vielleicht wagst Du noch einen Versuch? Die geschmackliche Brotbelohnung ist es wert 😉

      Herzliche Grüße aus Eutin, Anne

      p.s. Wenn Du in der Nähe wohnst, könnte ich Dir gern etwas Sauerteig abgeben.

  • Beantworten
    Tanja
    24. September 2019 at 19:25

    Hallo Ihr Beiden, ich kann Anne nur zustimmen und Dir Örzi sagen: probiere es einfach noch einmal. Mein erster Versuch ist auch fehlgeschlagen. Mein zweiter Ansatz hat den Namen Bernd bekommen und hat über ein Jahr gelebt. Nur durch Umzug meinerseits musste ich mich von ihm verabschieden. Nun lebt Cesar seit gut sechs Monaten in meinem Kühlschrank und freut sich bester Gesundheit. Der Geschmack des Brotes ist der beste Dank! Also hab nur Mut und Geduld.
    Liebe Grüße
    Tanja

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