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Spekulatius-Gugelhupf mit Mandarinensaft und ein Märchen

Spekulatius-Gugelhupf

Es war einmal eine liebende Mutter. Eine aus tiefstem Herzen liebende Mutter sogar – das konnte man daran erkennen, dass sie schon seit Jahren mit unterschiedlichen Kommentaren in verschiedenen Lautstärken die aussergewöhnlichsten Fundstücke aus den Zimmern Ihrer Kinder entsorgte. Ach was für herrliche Dinge gab es dort häufig zu entdecken:

Wer suchet, der findet

Da ist ja meine lang gesuchte und natürlich längst ersetzte Wimperntusche von Chanel! Ich gebe zu, ich hab sie der Optik wegen gekauft, nicht weil die Qualität so berauschend ist. Aber ich habe sie geliebt! …und jetzt finde ich mein kleines Baby – oder besser mein halbes kleines Baby unter dem Bett meines Sohnes. Das Bürstchen, oder das was von ihm übrig geblieben ist liegt nur einen Meter entfernt. Die beiden werden wohl nie wieder zusammenkommen. Zu schwer sind die Verletzungen die Neugierde im Schulterschluss mit Forschergeist verursacht haben.

Und hier unterm Bett finde ich meine vermissten Zeichenstifte. Überflüssig zu sagen dass die kleinen Flittchen sich sämtlich ihrer Kappen entledigt hatten. Zeichenstiftgangbang im Kinderzimmer.

Noch ein schönes Anekdötchen: Als ich unlängst mit meinem Jüngsten gemeinsam seinen Schreibtisch aufräumte, in der Hoffnung dort seine „gelbe Musikmappe“ zu finden, kam eine gute alte Freundin zu Tage: sie hört auf den Namen „Nagelschere“ und galt in unserem Haushalt schon seit längerem als vermisst. Und nur zum besseren Verständnis: ja, ich habe meine Kinder gefragt: „Habt Ihr meine Nagelschere gesehen?“ und ja, meine Kinder haben mitbekommen, dass ich ein aufgezogener Dachshund durch das Wohngehölz gewieselt bin; die Nase stets dicht am Boden um die Fährte aufzunehmen. Aber unschuldige Kinderaugen sind wohl mein Kryptonit.

Meine Mutter hat früher immer gute Ratschläge gehabt (hat sie heute noch!) wenn ich etwas gesucht habe. Das fing schon mal an mit: „Jedes Ding an seinen Ort, erspart viel Müh‘ manch böses Wort.“

So etwas hört man doch gern, wenn man als achtjähriger seine gelbe Musikmappe sucht, oder? Und wenn ich dann früher ganz verzweifelt und erfolglos gesucht hatte, vermittelte meine Mutter mich an den heiligen Christopherus: „Das ist der Schutzheilige der Reisenden und Suchenden. Zu dem musst Du beten, wenn Du etwas nicht finden kannst.“

Damals wie heute habe ich eine Standleitung zum heiligen Christopherus. Aber er ist sehr beschäftigt und kann sich schliesslich nicht um alles kümmern.

Oje, ich komme ganz von meinem Thema ab. Es sollte doch um Mutterliebe gehen. Also von vorn:

Mutterliebe und Spekulatius-Gugelhupf

Es war also einmal eine liebende Mutter. Suchen und Finden hatte unter anderem ihre Liebe stabil und innig gemacht. Und wie die meisten ihrer Gattung verfügte sie über einen ausgeprägten Fütterungsdrang. Besonders gern backte sie Kuchen für ihre lieben Kleinen, die sehr gewissenhaft beim Auslecken der Teigschüssel halfen. (Dieses verhielt sich reziprok zum Bedürfnis die Spülmaschine auszuräumen. Anm. d. Autors)

Nun begab es sich, dass ihr Jüngster einen Kuchen mit zur Schule bringen sollte (der mit Mascara unterm Bett). Die Mutter war sofort Feuer und Flamme, denn sie backte ja so gern. Sie holte ihr grosses goldenes Rezeptbuch hervor und blätterte sieben heisse Schokoladen lang mit ihrem Sohn durch die Seiten, aber keines der Rezepte wollte ihm gefallen. Die Mutter-Sohn-Beziehung wurde auf eine harte Probe gestellt. Und wie beide ganz verzagt über Backbuch und der nunmehr achten Schoki und dem wahrscheinlich drölfzigstem Spekulatius saßen, kam dem Sohn eine Idee: „So müsste er sein. Süß wie die Sahne auf der heissen Schokolade, würzig wie der Spekulatius und weich wie ein Mutterherz…“

Spekulatius-Gugelhupf

„Komm, Mama! lass uns das googeln.“ Und so googelten sie zwei Leberwurstbrote lang. Und wurden fündig auf einem Foodblog namens La petite Quisine. Dort stand ein Rezept für einen Kuchen der nicht nur genau das versprach was der kleine Junge so begehrte, sondern sogar noch Cranberries obendrauf legte. Tief beglückt machten Mutter und Sohn sich an das Zusammentragen der Zutaten.

Spekulatius-Gugelhupf

Als die in den Keller hinunterstiegen um die Backform zu holen fanden sie im Regal unter den Backformen noch die Schachtel und Papierchen von einer Tafel Kinderschokolade. Ich kürze kurz ab:

  • Stirnrunzeln der Mutter
  • Unschuldsblick des Sohnes mit leichtem Schulterheben
  • Kryptonit und sofortige Mutterherzerweichung

Guter Dinge und mit sämtlichen Zutaten und Werkzeugen stiegen die beiden wieder die Kellertreppe hoch und machten sich ans Werk:

Spekulatius-Gugelhupf

 

Zutaten Spekulatius-Gugelhupf mit Mandarinensaft:

gerne die Zutaten Auflisten

  • 350 g Zucker
  • 8 Eier
  • 400 g geschmolzene, leicht abgekühlte Butter
  • 350 g Mehl
  • 50 g gemahleme Mandeln
  • 1 Päckchen Backpulver
  • 1 Teelöffel Spekulatiusgewürz
  • 1 Prise Salz
  • 150 g Buttermilch
  • Saft von einer Biomandarine
  • abgeriebene Schale von zwei Biomandarinen
  • eine handvoll getrocknete Cranberries

Spekulatius-Gugelhupf

 

Zubereitung Spekulatius-Gugelhupf mit Mandarinensaft:

  1. Ofen auf 177 Grad Unter-/Oberhitze vorheizen und eine Gugelhupfform ausfetten.
  2. Eier und Zucker schaumig schlagen. Geduld zahlt sich aus – dann wird die Eiermasse so richtig fluffig und der Kuchen schön locker.
  3. Mehl, Backpulver, Spekulatiusgewürz, Salz, gemahlene Mandeln und Mandarinenabrieb miteinander vermischen.
  4. Flüssige Butter, Buttermilch und Mandarinensaft unter die Eiermasse schlagen.
  5. Die Mehlmischung gründlich aber so kurz wie möglich unterheben, Cranberries zugeben und ebenfalls kurz unterheben.
  6. Teig in die gefettete Form geben und ca. 55 – 65 Minuten backen. Ich mache nach 50 Minuten mal den „Stäbchentest“ (Messer oder holzstäbchen in den Kuchen stecken – wenn noch Teig daran klebt, braucht der Kuchen noch.
  7. Den fertig gebackenen Kuchen aus der Form nehmen und auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.
  8. Zum Schluss noch mit Puderzucker bestreuen.

Spekulatius-GugelhupfSpekulatius-Gugelhupf

Dieser unkomplizierte Kuchen ist eine prima Einstimmung in die Vorweihnachtszeit.

 

Spekulatius-Gugelhupf mit Mandarinensaft

Mutter und Sohn blickten glücklich auf ihren Kuchen. Sie waren so stolz, dass sie ihn unbedingt noch fotografieren mussten, bevor sie ihn am nächsten Morgen mit zur Schule nahmen, wo er allen Kindern vorzüglich geschmeckt hat. Satt und glücklich kehrten sie Mittags nach Hause zurück und wenn sie nicht gestorben sind, dann backen sie noch heute.

Spekulatius-GugelhupfSpekulatius-Gugelhupf

 

Und was stellt Eure Mutterliebe auf die Probe?

Bitte sagt mir nicht, dass Eure Kinder nichts in ihren Zimmern bunkern und immer reizend und ausnahmslos höflich und hilfsbereit sind…Geteiltes Leid ist halbes Leid.

So, jetzt aber an die Töpfe, fertig, los! Ich wünsche Euch viel Spass mit dem Rezept und freue mich über Nachrichten, Anregungen, Kritik und Lob. Lob finde ich am besten!!

Alles Liebe für Euch und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel,

Eure Anne

…und für alle, die wie ich bekennende Pinterestopfer sind, gibt es noch etwas zum pinnen 🙂

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