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Coq au Vin von der Lieblingstante

Rezept für Coq au Vin

Was hat Coq au Vin mit Verwandschaftsbesuchen zu tun? In diesem Fall eine ganze Menge. Besuche bei meiner Verwandtschaft sind etwas ganz tolles. Man wird sehnsüchtig erwartet, die Gästebetten sind gerichtet und zu essen gibt es auch immer etwas leckeres. Meine Familie ist über ganz Deutschland verteilt und in dieser Geschichte geht es um die Stuttgarter Abordnung.

Es handelt sich aber nicht um so ganz reinrassige Schwaben

(obwohl der Haushalt meiner Tante selbst eine Schwäbin in 113. Generation vor Neid erblassen lassen würde), sondern mehr so eine innerdeutsche Promenadenmischung: Mein Onkel ist eine Schwäbisch/Hessische Gemeinschaftsarbeit, der zum Ausgleich ein paar Jahre in der Schweiz von Jesuiten beschult wurde. Und meine Tante hat allerschönstes solides Westfalenblut in den Adern. Die beiden sind eine manchmal explosive Mischung und das seit nun schon bald 50 Jahren.

Coq au Vin

 

Coq au Vin kann eine Ehe an ihre Grenzen bringen…

Meine Tante, im weiteren Gisela genannt, ist eine hervorragende Köchin und ihr liebendes Tantenherz läßt kaum kulinarische Wünsche offen. Coq au Vin habe ich bei ihr schon oft gegessen und das Gericht verdient es absolut hier veröffentlicht zu werden, denn es schmeckt einfach himmlisch.

Mein Onkel, im weiteren Wolf genannt ist ein hervorragender Unternehmensberater (und Onkel), weiß sehr viel über ganz viele Dinge (auch über Coq au Vin) und ist damit in ganz vielen Dingen ein sehr guter Lebensberater (wenn man ihn dazu bekommt, einem bis zum Ende zuzuhören). Er sagt über sich selbst:

„Ich bin vielseitig interessiert und extrem schnell gelangweilt.“

Was soll ich sagen – der Mann kennt sich. Mit all dieser Lebensweisheit sollte man denken er kennt auch seine Gemahlin. Komischerweise steht diese aber überhaupt nicht auf Beratung, jedenfalls nicht, wenn es um ihre Küche geht.

Beim diesem Coq au Vin haben sie nun aber zumindest etappenweise zusammen gearbeitet. Meine Wenigkeit war lediglich mit Kamera und Weinglas anwesend, hat die Küchenprozesse verfolgt und dokumentiert. Selbstverständlich sind in diesem Artikel nur jugendfreie Fotos zu sehen. Sämtliches gewaltverherrlichendes Bildmaterial, auf dem man vermuten könnte, daß Gisela kurz davor ist, ihren sie gerade beratenden Ehemann, mit dem gewetzten Messer der Küche zu verweisen, bleibt in meinem allergeheimsten Fotoarchiv. …obwohl ich eventuell gegen entsprechendes Gebot bereit wäre…

Was wir aber in jedem Fall Wolf zu verdanken haben, ist der exzellente Rotwein, in dem die Hühnchenbeine schmurgeln durften.

Der Berater sagt: „Das Coq au Vin ist nur so gut, wie der Rotwein den man zugibt.“

Gisela sagt: „Dann hol doch jetzt bitte endlich einen aus dem Keller hoch!“

Das tut der Ehemann/Berater/Onkel dann auch….und kommt gleich mit zwei Flaschen vom allerfeinstem Rotwein aus den Katakomben.

Coq au Vin

 

Château La Tour du Pin Figeac Saint-Emilion Grand Cru Classé AOC, Rotwein 2010
Melone mit würziger Eiche vereinen? Ja, das geht. Saftig am Gaumen, tüchtig reife Tannine trotzdem ein frischer Abschied auf der Zunge (Abgang finde ich ein zu schnödes Wort dafür) Der Wein darf auch gern noch etwas länger liegenbleiben, wenn man es den schafft, die Finger von ihm zu lassen. Für durstige: Den Wein gibt es hier.

 

CHATEAU BELAIR ST GEORGES ST EMILION 2011

Reife Pflaumen und Cassis-Frucht in der Nase, am Gaumen dann elegante schwarze Früchten und zarte Röstaromen. Ein sanfter, fülliger Wein, mit höflichen weichen Tanninen. Mein Onkel hat ein Faible für Bordeauxweine (und Zigarren) – mir sind sie manchmal nicht charmant genug. Aber dieser Geselle gefällt mir gleich und nach etwas längerer Belüftung entwickelt er sich zu einer sehr eleganten Abendbegleitung und liefert ein köstlich, langes Finale. Räusper…übrigens ein Wein mit sehr erfreulichem Preis-/ Genussverhältnis trotz der edlen Herkunft. Den Wein gibt es hier.

Fast wie beim Bachelor – aber mit echten „Chicks“

Wer die Qual hat, hat die Wahl. Für Gisela ist das ganz einfach: „Einer kommt ans Hühnchen, den anderen trinken wir.“

Das führt zu gequältem Augenrollen bei dem Rotwein liebenden Onkel. Zum besseren Verständnis: Gisela wird keinen dieser beiden Rotweine je trinken. Ans Hühnchen gießen schon, aber das war’s dann auch. Sie ist mehr von der Weissweinfraktion – Einem „Bürklin-Wolf“ wird sie nicht die kalte Schulter zeigen. Daran wird auch kein in Rotwein geschmortes Federvieh etwas ändern. Wahrscheinlich müsste der Rotwein der ihr schmeckt erst noch gekeltert werden….Das was ihr Herz begehrt ist ein guter Rotwein den sie an ihr Hühnchen geben kann und zwar PRONTO!

Wolf hält einen kleinen interessanten Vortrag über Kochen mit Rotwein im Allgemeinen und über die unumstößliche Tatsache, dass man am besten den gleichen Wein zum Essen trinkt, den man auch verkocht, im Besonderen.

Gisela, die mittlerweile das gründliche Anbraten der Hühnchenteile beendet hat, kann dem nur ein Augenbrauenheben schenken. Dass sieht lustig aus, ist jedoch für einen geübten Ehemann als ein erstes Warnsignal zu deuten und Wolf entscheidet sich nun blitzschnell für den Château La Tour.

Gute Wahl. Der Bachelor ist in diesem Fall der Wein und er bekommt nicht ein Hühnchen, sondern ALLE Chicks! Die Jury ist sich einig – So macht das Sinn.

Coq au Vin

Der Beginn eines guten Rezeptes: Man gieße 100 ml Weißwein in den Koch!

Wir servieren eine Mischung: Wolf und ich Rotwein, Gisela Weißwein…(war vorhersehbar). Jetzt will ich Euch aber nicht weiter auf die Folter spannen und es geht weiter mit dem Rezept:

Coq au Vin [kɔkovɛ̃] Französisch für: „Hahn in Wein“ ist ein klassisches Geflügelgericht und eines der französischen Nationalgerichte.

Mit dem Huhn im Wein ist es wie mit allen Nationalgerichten

Natürlich behauptet jede Spanierin dass sie die beste Paella zubereitet, jede Italienerin die herrlichste Pasta, jede Französin das würzigste Coq au Vin. Manch einen ängstigt es vielleicht ein solches Gericht in Schwäbische Hände zu geben, wo doch der Schwabe an sich nicht für verschwenderischen Umgang mit Wein zum Kochen berühmt ist. Aber da die Gisela ja gar keine Schwäbin ist und Wolf nur zur Hälfte (die zweite Hälfte ist in diesem Fall Weinliebhaber) müssen wir uns keine Sorgen machen.

Wo die anderen nur mit Wasser kochen, nimmt der Franzose Wein. Das Federvieh wird nicht mit etwas Wein gekocht, sondern mit mindestens einer Flasche! Und ein kräftiger Rebensaft darf es sein und ein paar Jahre darf er auch schon auf dem Buckel haben. Das hat der liebe Wolf ja schon auf das Feinste sichergestellt.

Coq au Vin-Traditionalisten bestehen auf einen stolzen Hahn, also ein männliches Exemplar und selbiges sollte wenigstens ein Lebensjahr frei herumstolziert sein und sein volles Machogehabe ausgelebt und viele Hühnerdamen glücklich gemacht haben. Er darf sich gern (neben der ganzen anstrengenden Vögelei) ein Schlachtgewicht bis 4 Kilo anfressen. Und wer sich derart verausgabt hat, verdient einen kräftigen französischen Wein um ein würdiges Ende in einem Gusseisernen Topf zu finden.

An so einen Hühnerkönig ist schwer dran zu kommen. Man könnte sich mit einem Kapaun (kastrierter Hahn (Autsch!)) behelfen. Der hat auch ein ansehnliches Schlachtgewicht und wie sein sexuell aktiver Kollege, kräftig schmeckendes, festes Fleisch. Das prädestiniert ihn gerade zu für langes Schmoren in säurehaltigem Rebensaft.

Derlei Petitessen wischt Gisela beiseite mit:

Papperlapapp ich hab auf dem Markt Biohühnchen gekauft und Basta!

Andererseits hat die Verwendung von Hühnerdamen den Vorteil von kürzeren Garzeiten und etwas zarterem Fleisch, solange man gute Ware schmort. In unserem Rezept kommen beste Hühnerschenkel zum Einsatz an denen Rubens seine wahre Wonne gehabt hätte.

 

Rezept für Coq au Vin á la Giselle – die Zutaten:

  • 2 kg Bio Hühnchenkeulen oder 2 ganze Hähnchen (wer ein Schwarzfederhuhn ergattern kann…mitnehmen!)
  • 100 g Mehl zum wenden
  • Salz und Pfeffer
  • 50 g Butterschmalz
  • ein paar Zweige Thymian
  • 5 Knoblauchzehen (toll wäre frischer Französischer Knoblauch) in der Schale lassen und nur leicht andrücken
  • 1 Flasche kräftiger Rotwein
  • 200 ml Hühnerbrühe
  • 1 EL Tomatenmark
  • 150 – 200 g Kirschtomaten, halbiert
  • 3 Lorbeerblätter
  • 200 g braune kleine Champignons, geputzt und geviertelt
  • 5 Schalotten, fein gehackt
  • eine Handvoll fein gewürfelten Speck

 

Rezept für Coq au Vin – die Zubereitung

  1. Die abgebrausten und gut getrockneten Hähnchenkeulen salzen, pfeffern und dann gründlich von allen Seiten in Mehl wenden.
  2. Backofen mit Unter- und Oberhitze auf 180 Grad vorheizen
  3. Butterschmalz in einem, am liebsten gusseisernen, Schmortopf erhitzen und die Keulen (oder Hühnerteile, wer ein ganzes Huhn nimmt) in Gesellschaft von Thymian und Knoblauch kräftig anbraten. Wenn die Keulen gut Farbe angenommen haben, bitte herausnehmen und warmstellen.
  4. Den Bratensatz mit einem guten Glas Rotwein ablöschen und etwas einkochen lassen.
  5. Tomatenmark und Brühe hinzufügen und ebenfalls eine Minute einkochen lassen. Restlichen Rotwein angiessen.
  6. Die angebratenen Hähnchenstücke mit den Tomaten in den Rotweinsud geben und im Ofen ca. eine Stunde schmoren.
  7. Schalotten, Speck und Champignons ca. drei Minuten scharf anbraten und fünf weitere Minuten auf mittlerer Hitze schmurgeln lassen.
  8. Vor dem Servieren die Pilze zum Coq au Vin geben und vorsichtig unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und jetzt nur noch genießen. Natürlich mit einem Glas guten Rotwein!

Rezept für Coq au Vin
 
Rezept für Coq au Vin
 
Rezept für Coq au Vin
 
Rezept für Coq au Vin
 
Rezept für Coq au Vin
 
Rezept für Coq au Vin
 
Pilze für Coq au Vin
 
Rezept für Coq au Vin
 
Pilze für Coq au Vin
 
Rezept für Coq au Vin
 
Rezept für Coq au Vin
 
Rezept für Coq au Vin
 

Zwiebeln und Pilze am Coq au Vin – kulinarische Ketzerei?

Ich weiß, eigentlich gehören weder Zwiebeln und Pilze an dieses heilige französische Gericht. Aber eröffnet nicht schon das kleine Wörtchen „eigentlich“ ungeahnte Möglichkeiten. Streng genommen ist es ja auch gar kein Coq au Vin, sondern vielmehr ein Poulet au Vin und wie oben erwähnt hat die Dame das zartere und auch geschmacklich „leisere“ Fleisch. Deswegen geben hier Pilze und Schalotten den letzten Kick!

Wie schön, wenn es allen schmeckt!

Hach, war das ein Fest. Allen hat es geschmeckt und jeder aß ein klein wenig mehr als wohl gut war für ihn, einfach weil es so köstlich war. Meine mittlere Tochter quittierte dieses Gericht mit „Geiler Scheiß!“ Wer bringt der Jugend solche Wörter bei?? Von mir hat sie das jedenfalls nicht. Sie hat sogar die geschmorten Kirschtomaten gegessen – Der absolute Ritterschlag. Sie hält Tomaten für die Gemüse gewordene Ungenießbarkeit.

Spoileralarm: Wusstet Ihr, dass Tomaten gar kein Gemüse sind? Es ist Obst!

Liebe Gisela vielen Dank für das herrliche Essen, das gute Rezept und die immer wieder so herzenswarme Gastfreundschaft. Von Rat und TAT in allen Lebenslagen und zu sämtlichen Uhrzeiten mal ganz abgesehen. Tja, Tanten und Onkel muss man haben. Was das angeht habe ich den ganz großen Wurf gemacht.
 

DANKE

So, jetzt aber an die Töpfe, fertig, los! Ich wünsche Euch viel Spass mit dem Rezept und freue mich über Nachrichten, Anregungen, Kritik und Lob. Lob finde ich am besten!!

Alles Liebe für Euch und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel,

Eure Anne

 

…und für alle, die wie ich bekennende Pinterestopfer sind, gibt es noch etwas zum pinnen 🙂

Coq au Vin - der französische Klassiker. Mit gutem Rotwein und glücklichem Hühnchen eine echte Delikatesse! Und das beste daran: es ist viel einfacher gemacht als gedacht. Probiert es mal aus.Coq au Vin - der französische Klassiker. Mit gutem Rotwein und glücklichem Hühnchen eine echte Delikatesse! Und das beste daran: es ist viel einfacher gemacht als gedacht. Probiert es mal aus.
 

 

 

 

 

 

 

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    • Snjezi
    • 25. September 2017
    Antworten

    Oh, liebe Anne, was für eine herrliche Geschichte. Am liebsten würde ich nicht nur jetzt sofort in diese köstlichen Schenkel beissen, sondern mich auch gleich bei Gisela und Wolf einquartieren.
    Mit diesem tollen und sehr erheiternden Blogpost hast Du ausserdem erreicht, dass ich künftig bei jedem schnöden Hühnchengericht an die potenziell „anstrengende Vögelei“ des Fderviehs denken werde :)))
    Vielen Dank an alle Beteiligten für das köstliche Rezept, die tollen Bilder und grandiosen Weinempfehlungen (als ob ich davon Ahnung hätte; aber da vertraue ich ganz Deinem Onkel Wolf)
    Liebe Grüße von der Küste
    Snjezi

      • Anne
      • 26. September 2017
      Antworten

      Liebe Snjezi,
      wie schön, dass Dir schonmal das Wasser im Mund zusammenläuft…und die Sache mit dem Einquartieren kann ich auch sehr gut verstehen. Nur musste ich mich leider verpflichten ihre Adresse NICHT preiszugeben. 😉 Keine Ahnung wieso :-)))

  1. Antworten

    Liebe Anne,
    ich lache immer noch Tränen. Da wäre ich gerne dabei gewesen. Nicht zum Wein trinken, aber zum Essen. Und ich bin froh, dass sich Onkel und Tante auch noch nach dem Coq au Vin so gut verstehen. So sieht es zumindest auf dem letzten Foto aus.
    LG Dési

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