Es gab eine Zeit, in der Sauerampfer für mich kein Gemüse war, sondern eine Mutprobe – an eine Sauerampfersuppe mit Kartoffeln war da noch lange nicht zu denken. Man stand auf der Wiese, jemand zeigte auf dieses unscheinbare Blatt und sagte: „Iss das mal.“ Und man hat es gegessen, weil man neun war und nichts zu verlieren hatte außer der eigenen Ehre vor den anderen Kindern. Dieser Säurestoß im Mund war fast schon ein kleiner Schock – aber halt auch aufregend. Niemand von uns wäre auf die Idee gekommen, dass man aus diesem Wiesenkraut tatsächlich etwas kochen könnte. Wir haben damit gespielt, nicht gegessen.
Umso größer war meine Verblüffung, als ich Jahre später auf dem Wochenmarkt stand und da lag er. Gebündelt, beschriftet, mit Preis. Sauerampfer, ganz offiziell zum Kaufen. Das Kraut meiner Kindheits-Mutproben hatte sich zur Marktware gemausert, und ich stand davor wie jemand, der einen alten Schulfreund auf einer Gala wiedertrifft – fein angezogen und kaum wiederzuerkennen, aber im Kern genau derselbe.
Dabei ist die Geschichte des Sauerampfers viel älter, als man bei so einem schlichten Wiesenkraut vermuten würde. Schon die Römer und Griechen wussten ihn zu schätzen – allerdings eher auf dem Teller als in der Hausapotheke. Erst später machte er auch als Heilkraut Karriere: Seefahrer nahmen ihn mit auf lange Reisen, weil sein hoher Vitamin-C-Gehalt half, Skorbut vorzubeugen. Kein schlechter Leistungsausweis für ein Kraut, das wir als Kinder höchstens für Mutproben taugten.

Auch heute steckt er noch voller guter Eigenschaften: viel Vitamin C, dazu Vitamin A und Magnesium, und in der Naturheilkunde gilt er als anregend für die Verdauung und erfrischend nach dem Winter – fast wie ein kulinarischer Frühjahrsputz für den Körper. Wer ihn selbst sammelt, sollte zwei Dinge wissen: Erstens schmeckt er sauer, weil er Oxalsäure enthält – in normalen Küchenmengen völlig unbedenklich, aber kein Grund, literweise puren Sauerampfersaft zu trinken. Und zweitens sieht er, wenn er jung ist, dem giftigen Aronstab nicht unähnlich – im Zweifel also lieber auf dem Markt kaufen statt auf der Wiese raten.
Ab Mai ist Saison, dann lässt sich der erste Sauerampfer ernten oder eben auf dem Wochenmarkt erbeuten. Nach den drögen Wintermonaten ist das genau das, was die Geschmacksnerven brauchen: etwas Frisches, Grünes, Wachrüttelndes. Und wenn das kein Grund ist, sich ein Süppchen einzubrocken, dann weiß ich auch nicht.
Die Zutaten für Sauerampfersuppe mit Kartoffeln
- 400 g Kartoffeln, mehlig kochend
- 2 kleine Zwiebeln
- 1–2 Knoblauchzehen
- 2 Esslöffel Olivenöl
- 1 Bund Sauerampfer
- 1 Liter Gemüsebrühe
- 200 ml Sahne
- Pfeffer und Salz
Die Zubereitung im Kochtopf
Die Kartoffeln putzen, schälen und grob würfeln. Den Knoblauch pellen und durch die Presse drücken, die Zwiebeln pellen und fein würfeln. Den Sauerampfer unter fließendem Wasser waschen und beiseitelegen.
Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch mit dem Olivenöl in einen Topf geben und etwa 5 Minuten anschwitzen. Mit der Brühe aufgießen und 20 Minuten köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind.
Dann mit dem Pürierstab fein pürieren. Sauerampfer und Sahne dazugeben und noch einmal kräftig durchpürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und nach Belieben mit Backerbsen und etwas gehacktem Sauerampfer servieren.
Wer’s noch bequemer mag: Ich mach diese Suppe inzwischen am liebsten im KitchenAid CookProcessor, weil ich dann nicht zwischen Topf, Pürierstab und Spüle hin- und herrennen muss, sondern alles in einer Schüssel passiert.
Sauerampfersuppe mit Kartoffeln aus dem Cook Processor – die Zubereitung:
- Die Schüssel mit dem ‘MultiBlade’-Vielzweckmesser bestücken. Die Zwiebeln pellen, eventuell vierteln und hineingeben. Gepellte Knoblauchzehen ebenfalls in den Topf geben. Deckel schließen. 5 Sekunden auf Pulse drücken. Öffnen und Mischung vom Rand schaben. Olivenöl hinzugeben, wieder schließen, KOCHEN P2 auswählen und auf Start drücken. Auf dem Display wird Schritt 1 angezeigt. Zum Bestätigen auf Start drücken.
- Nach Schritt 1: Kartoffeln schälen, grob würfeln und mit der Hälfte der Brühe in die Schüssel geben. Deckel schließen. Auf Start drücken, um Schritt 2 zu aktivieren.
- Nach Schritt 2: Auf Abbrechen drücken, um die Warmhaltefunktion zu deaktivieren. Deckel schließen. Prüfen, ob der Deckel gut schließt. Die Zeit auf 2-3 Minuten einstellen, auf Start drücken und die Geschwindigkeit langsam auf 10 steigern. So wird die Suppe fein püriert. Restliche Brühe, Sauerampfer und Sahne zugeben und nochmals pürieren. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnus abschmecken.
- Mit Salz und Pfeffer abschmecken und nach Belieben mit Backerbsen und etwas gehacktem Sauerampfer servieren.


Kartoffeln im Cook processor

Tipps & Tricks
Brühe ist nicht gleich Brühe. Eine Suppe schmeckt nur so gut wie ihre Zutaten – deshalb lieber die Finger von billiger Instantbrühe lassen. Es lohnt sich, größere Mengen selbst zu kochen und portionsweise einzufrieren, dann hat man immer die richtige Basis zur Hand. Wenn dafür keine Zeit ist…weiter unten habe ich dir eine akzeptable Alternative verlinkt
Für Veganer, aber ohne Sahne. Die Suppe lässt sich problemlos veganisieren – einfach die Sahne durch vegane Kochcreme auf Soja-, Hafer- oder Reisbasis ersetzen.
Kräutertausch. Kein Sauerampfer zur Hand? Auch Kerbel, Brunnenkresse oder Bärlauch machen sich gut. Erlaubt ist, was schmeckt.
Auf Vorrat kochen. Wer die Suppe einfrieren will, sollte die Sahne erst nach dem Auftauen beim Erwärmen zugeben.
Häufige Fragen zur Sauerampfersuppe mit Kartoffeln

Kann man Sauerampfersuppe einfrieren?
Ja, problemlos – allerdings nur ohne Sahne. Sahne neigt beim Einfrieren und Auftauen dazu, sich zu setzen oder leicht zu flocken. Friert die pürierte Suppe also ohne Sahne ein und gebt sie erst beim Aufwärmen dazu, dann schmeckt sie wie frisch gekocht.
Kann man Sauerampfer selbst einfrieren?
Ja, das geht gut – die Blätter waschen, grob hacken und in einer geschlossenen Dose oder einem Gefrierbeutel, am besten mit etwas Wasser bedeckt, einfrieren. So hält sich Sauerampfer mehrere Monate. Wer mag, friert ihn portionsweise in Eiswürfelformen ein – praktisch für die nächste Suppe oder Sauce. Eine kleine Warnung vorweg: Zum Trocknen ist Sauerampfer nicht geeignet, dabei verliert er fast sein gesamtes Aroma. Einfrieren ist also der Weg.
Welche Kräuter kann ich statt Sauerampfer nehmen?
Kerbel, Brunnenkresse oder Bärlauch funktionieren gut als Ersatz, wenn auch jeweils mit eigenem Charakter statt der typischen Säure. Wer dem Original näherkommen will, kann auch Blutampfer probieren – eine mildere Verwandte mit den hübschen roten Blattadern.
Ist Sauerampfer giftig? Wie viel ist unbedenklich?
In normalen Küchenmengen ist Sauerampfer völlig unbedenklich – die Oxalsäure, die für den sauren Geschmack sorgt, steckt auch in Rhabarber oder Spinat und ist in haushaltsüblichen Portionen kein Problem. Wer empfindliche Nieren hat oder zu Nierensteinen neigt, sollte größere Mengen rohen Sauerampfer meiden. Für die meisten von uns gilt: ein Bund in der Suppe ist genau richtig.
Schmeckt die Suppe auch kalt, wie eine Vichyssoise?
Ja, durchaus – kalt gegessen wirkt die Säure des Sauerampfers noch präsenter und erfrischender, fast wie eine grüne Sommer-Vichyssoise. Dafür die Suppe nach dem Pürieren gut auskühlen lassen und vor dem Servieren nochmal abschmecken, da kalte Speisen oft weniger intensiv schmecken und etwas mehr Salz vertragen.
Woran erkenne ich frischen, guten Sauerampfer?
Die Blätter sollten kräftig grün, knackig und frei von gelben oder braunen Stellen sein. Je jünger und kleiner die Blätter, desto milder und zarter der Geschmack – ältere, größere Blätter werden schärfer und etwas zäher. Am besten schmeckt Sauerampfer vor der Blüte, also im Frühjahr.
Kann ich die Suppe vegan machen?
Klar – einfach die Sahne durch vegane Kochcreme auf Soja-, Hafer- oder Reisbasis ersetzen. Geschmacklich verändert sich dadurch kaum etwas, die Suppe bleibt schön cremig.
Wie lange ist die fertige Suppe haltbar?
Im Kühlschrank hält sie sich in einem gut verschlossenen Behälter etwa 2–3 Tage. Da Sahnesuppen generell nicht ewig haltbar sind, würde ich sie nicht länger aufbewahren.
Was kann man sonst noch aus Sauerampfer machen?
Eine ganze Menge: roh im Salat mit Radieschen oder gerösteten Kernen, als Würze für Kräuterbutter oder Quark, in der klassischen Frankfurter Grünen Sauce, als Pesto mit Olivenöl und Pinienkernen, oder eingelegt in Essig und Öl für ein paar Wochen Haltbarkeit. Mutige probieren sogar Sauerampfer-Eis – aber das ist dann wirklich schon die nächste Mutprobe.
Das könnt ihr gut gebrauchen für Sauerampfersuppe mit Kartoffeln*:
- Gusseiserner Topf, für die Kochtopf-Variante, hält die Hitze schön gleichmäßig
- KitchenAid CookProcessor, mein treuer Küchenhelfer für die Express-Variante
- Küchenwaage, für die 400 g Kartoffeln, die es genau wissen wollen
- Suppenkelle, simpel, aber ohne geht’s beim Anrichten nicht
- Pfeffermühle, frisch gemahlen schmeckt einfach anders
- Sparschäler, für die Kartoffeln, die schließlich auch geschält werden wollen
- Gemüsebrühe, wenn gerade keine Zeit ist für frische Brühe und der Vorrat leer ist
Vielleicht schmeckt Dir das hier auch…
Für Deine Rezeptsammlung hier das Rezept für „Sauerampfersuppe mit Kartoffeln“ zum Ausdrucken:

- 400 g Kartoffeln mehlig kochend
- 2 kleine Zwiebeln
- 1 –2 Knoblauchzehen
- 2 Esslöffel Olivenöl
- 1 Bund Sauerampfer
- 1 Liter Gemüsebrühe
- 200 ml Sahne
- Pfeffer und Salz
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Die Kartoffeln putzen, schälen und grob würfeln. Den Knoblauch pellen und durch die Presse drücken, die Zwiebeln pellen und fein würfeln. Den Sauerampfer unter fließendem Wasser waschen und beiseitelegen.
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Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch mit dem Olivenöl in einen Topf geben und etwa 5 Minuten anschwitzen. Mit der Brühe aufgießen und 20 Minuten köcheln lassen, bis die Kartoffeln gar sind.
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Dann mit dem Pürierstab fein pürieren. Sauerampfer und Sahne dazugeben und noch einmal kräftig durchpürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und nach Belieben mit Backerbsen und etwas gehacktem Sauerampfer servieren.
So, jetzt aber an den Suppentopf, fertig, los! Solltet Ihr Euch das Süppchen eingebrockt haben, freue ich mich riesig über Kommentare oder Fotos auf Instagram (am besten mit #kochenmachtgluecklich und @kochenmachtgluecklich taggen, damit ich es auch nicht übersehe).
Alles Liebe für Euch und möge der Kochlöffel mit Euch sein,
Anne aus Fissau ♥️
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