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Julius backt Triple-Chocolate-Cookies für 73 Schwestern

Triple-Chocolate-Cookies

ACHTUNG! Das ist ein etwas längerer Artikel – noch dazu einer ohne Rezept. Wer jetzt dringend Triple-Chocolate-Cookies braucht, klickt sich hier zum Rezept 😉

Triple-Chocolate-Cookies
 

Es gibt Produkte, die sind erklärungsbedürftig. Laut Google sind das neben Triple-Chocolate-Cookies :

Güter und Dienstleistungen, die nicht auf Anhieb verständlich sind, sondern deren Nutzen und Funktion dem potenziellen Nutzer näher gebracht werden müssen.

 

Es gibt auch Überschriften die einer Erklärung bedürfen.

Die da oben zum Beispiel. Weil sonst womöglich der Eindruck entstehen könnte, ich hätte übermenschliche Fähigkeiten. Ich verfüge lediglich über die gängigen Superkräfte einer Mutter, die da wären:

  • Keksriegelpapier knistern hören 3 Meilen gegen den Wind
  • an dem Klang des „Nö, keine Hausaufgaben auf.“ erkennen, wie viele Mathezettel noch zu rechnen sind
  • hervorragende Erpressungsmethoden (KGB und FBI können einpacken): „Wer jetzt hier nicht in 2 Minuten im Bett ist bekommt morgen Haferschleim mit zur Schule“
  • Flecken im Badezimmer auch noch nach Tagen perfekt bestimmen: „Das war Badeknete mit Blaubeergeschmack, dies hier ist Piratenhaargel (als hätte ein echter Pirat JEMALS Haargel benutzt) und hierbei handelt es sich um Teenie-Peeling mit Minze und Glitzer.“ Noch Fragen?
  • Mit wenigen Blicken das Spielzeug/Kuscheltier/Buch/Fahrradhelm/Schal/Schlüssel im Kinderzimmer finden, was „auf jeden Fall wirklich niemals hier in meinem Zimmer sein kann, weil ich schon Stunden suche, Mama!“
  • Lärm ausblenden (bis zur Stärke einer startenden Boeing 747) und mich dabei unterhalten
  • Automatische Wiederholungsfunktion mit Endlosschleife aktivieren: „Bitte räum Dein Zimmer auf.“, „Bitte Zähneputzen nicht vergessen.“ „Beeilst Du Dich bitte?“, „Nein, das kaufe ich nicht.“…
  • Völliger Verzicht auf Privatsphäre und eigenen Besitz. Das schließt pinkeln bei offener Klotür und teilen sämtlicher Schreibgeräte mit ein!
  • Für jeden Laternenumzug durch die Bastelmuttihölle gehen (gilt auch für Fasching und Mottopartys!)
  • Elternabende auf winzigen Stühlen durchstehen, ohne zu pöbeln

Darüber hinaus kann ich leider nur noch die normalen weiblichen Standartfähigkeiten anführen, die bei uns Serienmäßig sind und nicht abgewählt werden können:

  • Aus dem Nichts heraus einen handfesten Streit zaubern
  • Jemandem ein richtig schlechtes Gewissen machen, auch wenn er gar nicht soooo schlimm geschnarcht hat (weiss er ja nicht!)
  • mich so lange in etwas reinsteigern bis es wirklich zum Drama mutiert ist
  • Multitasking: gleichzeitig auf dem Sofa liegen und den gesamten Haushalt inkl. Bügelwäsche ignorieren
  • Bargeld in Kassenbons verwandeln
  • Worte verdrehen
  • Unschuldig gucken

 

Nur der Vollständigkeit halber noch persönliche Extrafeatures:

  • Namen vergessen noch während der Betreffende sich vorstellt
  • Essen in meinem Mund verschwinden und auf meinen Hüften wieder auftauchen lassen
  • Geduld verlieren obwohl ich gar keine habe (gilt auch für Konzepte und Gesprächsfäden)

Überschrift erklären, bitte! Backen für 73 Schwestern ?

Ok, ich bin abgeschweift (auch so eine Superkraft) To make a long Story short: Julius hat keine 73 Schwestern. So jetzt isses raus. Aber meine Mutter schon. Sie lebt in der Schweiz in einem Kloster mit eben 73 Schwestern und für diese Schwestern (keine Tanten) werden nun Triple-Chocolate-Cookies gebacken. Es handelt sich hierbei um Entschädigungskekse. Ich merke, auch das ist erklärungsbedürftig.

Lernen durch Storytelling (bei meiner Mutter hieß das „Geschichten erzählen“)

Wenn meine Mutter mir früher etwas beibringen wollte (ist heute übrigens auch noch so!), wählte sie häufig das Instrument „Geschichte“. Das begann meistens so:

Es war einmal ein kleines Mädchen, das hieß Anne und es war ungefähr so alt wie Du.

Darauf ließen sich jetzt die verschiedensten Problemstellungen aufbauen….z.B.

  • und dieses Mädchen wollte sich nie die Zähne putzen
  • und dieses Mädchen machte gar nicht gern Hausaufgaben
  • und dieses Mädchen hat manchmal oft ihre Schmutzwäsche im Schrank versteckt
  • und dieses Mädchen war manchmal oft zu faul sein Fahrrad anzuschließen

Irgendwann wußte ich natürlich schon bei den ersten Worten, daß ich wieder mit irgendetwas aufgeflogen war. Aber dennoch war die Form der Ansprache, die meine Mutter gewählt hatte häufig ein guter Einstieg in ein Gespräch. Wir konnten dann über diese „Anne“ sprechen und häufig lachend die kleinen „Missetaten“ dieses reizenden! Mädchens aus der Welt räumen…jedenfalls bis zur nächsten Märchenstunde.
 
Triple-Chocolate-Cookies
 

Vor ein paar Tagen rief mich meine Mutter an und erzählte mir folgende Geschichte:

„Es war einmal ein kleiner Junge…“

Reaktion eins: Erleichterung! Sie kann ja nicht mich meinen:

Reaktion zwei: Was hat mein Sohn (einziger Junge weit und breit) ausgefressen?

„Es war einmal ein kleiner Junge, der hat seine Oma im Kloster besucht. Und dieses Kloster hatte ein wunderschönes Gästehaus. Liebe Schwestern und gute Hausgeister taten alles um es den Gästen schön zu machen. Dazu gehörte auch, das ein jeder Gast wenn er ankam, auf seinem Kopfkissen ein kleines Schoggitäfeli findet. Auf dem Hausflur stand ein gewaltiger Schrank voll mit Bettwäsche, Handtüchern und einer großen Schachtel voll mit Schöklis. Die lieben Schwestern und Hausgeister wunderten sich eines Tages gar sehr, denn die große Schachtel mit den Schoggitäfeli war bis auf einige wenige völlig leer. Sie füllten sie rasch nach (in der Schweiz gibt es ja reichlich Schokolade) doch schon zwei Tage später passierte dasselbe nochmal. Wieder und immer wieder wurde die Schachtel nachgefüllt und keiner konnte sich erklären was dort passierte.

Irgendwann musste der kleine Junge mit seiner Mutter uns seiner Schwester wieder nach Hause fahren, denn die Sommerferien neigten sich dem Ende zu. Als alle Koffer gepackt und im Auto verstaut waren und die kleine Familie die schöne Schweiz schon einige Kilometer hinter sich gelassen hatte, betraten die guten Hausgeister des Klosters das Zimmer des kleinen Jungen. Er hatte es (überraschender Weise) recht ordentlich hinterlassen. Doch wie waren sie erstaunt als sie im Papierkorb viele, viele unzählige Schoggitäfelipapier fanden.“

An dieser Stelle hörte die Geschichte meiner Mutter auf. Keine Moral und kein Happy End. Wir haben beide Tränen gelacht.

Als Julius mittags aus der Schule kam, erzählte ich im eine Geschichte:

„Es war einmal ein kleiner Junge, der hat seine Oma im Kloster besucht. Und dieses Kloster hatte ein wunderschönes Gästehaus. Liebe Schwestern und gute Hausgeister taten alles um es den Gästen schön zu machen. Dazu gehörte auch, das ein jeder Gast wenn er ankam, auf seinem Kopfkissen ein kleines Schoggitäfeli findet. Auf dem Hausflur stand ein gewaltiger Schrank voll mit Bettwäsche, Handtüchern und einer großen Schachtel voll mit Schoggitäfeli…“

Julius hörte erst gespannt und dann voll schlechten Gewissens zu und unterbrach mich. „Ja, ich weiß! Ich hab da immer die Schökli rausgenommen. Sie waren soooo lecker und ich dachte, das merkt keiner. Ich hab erst nur zwei genommen. Am nächsten Tag ein paar mehr und dann immer so weiter.

Ich erklärte ihm mit lauter Superkräften und Geschichten von kleinen Jungen, die heimlich Süßigkeiten „organisierten“, daß das nicht richtig sei und der junge Mann zeigte sich ausgesprochen einsichtig.

Ich: „Hast Du denn wenigstens etwas daraus gelernt?“

Julius: „Ja, ich darf nichts im Papierkorb lassen, wenn wir nach Hause fahren.“ Als Julius mein Gesicht sah fügte er noch schnell hinzu: „Und Schökli darf ich auch nicht einfach so nehmen.“

Ich: „Wie sieht es denn mit Wiedergutmachung aus?

Julius: „Ja, nächstes mal mache ich es nicht gut, sondern besser und werfe das Papier in Omas Zimmer in den Papierkorb.“

Ich: „Julius! Das ist jetzt nicht Dein Ernst…? Ich meinte Wiedergutmachung im Sinne von Entschädigung. Schokoladenentschädigung!

Julius: „Du meinst im Sinne von Schokolade zurückbringen?“

 

Hach, es ist ja so schön, wenn man endlich verstanden wird. Genau daran dachte ich. Mein zwar noch immer etwas betretener, aber immer noch schokoladenliebender Sohn, fand zwar das Schokolade in die Schweiz bringen vergleichbar sei mit Eulen nach Athen schaffen, aber die Aussicht erneut erfreuliche Mengen an Schokolade in die Hände zu bekommen, motivierten ihn ganz vortrefflich.
 
Triple-Chocolate-Cookies
 
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Also ab in die Küche, den Vorratsschrank samt Schokoladenbestand fest im Visier und auf zur Forschungsreise mit dem Ziel der Frage nachzugehen:

Wieviel Schokolade passt in einen Keks?

Die empirische Forschungen haben ergeben, dass ein harmloser Keks unglaubliche Mengen an Zucker und gewaltige Mengen an Schokolade haben kann. Kaum einer der Probanden (ausser der Forschungsleiter selbst) konnte mehr als einen Keks essen ohne nach einer Apfelschorle (unter 18 Jahren) oder einem frisch gezapften Bier (über 18 Jahre) zu verlangen.
 
Triple-Chocolate-Cookies
 
Der Forscher ist äusserst zufrieden mit seiner Rezeptentwicklung. Wenn jeder nur einen Keks essen könne, seien 73 Kekse ja ausreichend.

Bleibt mir nur noch zu hoffen, dass die lieben Schwestern in der schönen Schweiz ebenso Tapfer sind wie die heimischen Probanden. Trotzdem sei ein gesundheitlicher Hinweis erlaubt:

Es kann nicht schaden bei dem Genuss von Julius Triple-Chocolate-Cookies die ein oder andere Insulinspritze parat zu haben.

Also dann, en guete…!

 

 

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    • Snjezi
    • 11. Oktober 2017
    Antworten

    Es war einmal…
    eine hübsche, junge Frau, die hieß Anne und die konnte ganz wunderbare Geschichten erzählen….
    Ich hoffe übrigens sehr, dass keine der 73 Schwestern eine Insulinspritze benötigt hat
    Liebste Grüsse

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